"Klingende Eier und kämpfende Farben"

Denkmalschmiede Höfgen zeigt Werke von Susanne Hampe in der Studiogalerie.

Ausstellungen von Marlen Liebau und Susanne Hampe. Grimma/Kaditzsch (PM).

Nachdem am 7. April bereits die Ausstellungen "Klang und Windzeichen" (Paul Fuchs) im Muldental und "Die Fähre" (Helfried Strauß) im Höfgener Fährhaus eröffnet wurden, zeigt seit Ostern auch der Kaditzscher Vierseithof neue Kunst. Am Wochenende wurden dort mit einer gemeinsamen Vernissage die Ausstellungen zweier Künstlerinnen eröffnet. Die trotz gelegentlicher Schneeböen und eisiger Windstöße recht zahlreich erschienene Gäste wurden von der Kunstwissenschaftlerin Karin Weber (Dresden) in die Arbeiten der beiden Künstlerinnen eingeführt, Götz Baerthold (Klarinette) sorgte mit einer zeitgenössischen Komposition für Atmosphäre. Drinnen und draußen, in Galerie und Hof, Malerei und Installation - Susanne Hampes und Marlen Liebaus Arbeiten bewahren trotz der räumlichen Nähe an diesem Ausstellungsort Autonomie. Im Innenhof des Anwesens erwartet die solare Klanginstallation "ab ovo" von Marlen Liebau den kunstfreudigen Besucher: "ab ovo" besteht aus zwölf eiförmigen Keramikobjekten, die mittels aufwendiger Elektronik und Solarzellen Sonnenenergie in Töne und Geräusche wandeln. Ein dreizehntes Ei ist still. Die Installation ist im Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit dem Musiker, Komponisten und Programmmierer Marc Lingk entstanden, Die tiefblauen tönenden Objekte wirken verblüffend fremdartig inmitten der ehrwürdigen Fachwerkarchitektur des Vierseithofes, fast wie vom Himmel gefallene, nein vielmehr sanft gelandete Botschafter einer anderen Welt. "ab ovo lässt sich mit "vom Ei aus/von Beginn, von Anfang an" übersetzen. Vom Anfang, vom Ursprung führt die Installation so zur Zukunft: Das Ei ist der Ursprung, der Klang setzt eine Energie fort, das Solare verweist auf Zukünftiges.


Marlen Liebau ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen, studierte in Dresden und Berlin. Seit 1980 ist sie freischaffende Malerin in Berlin und kann auf zahlreich Ausstellungen im In- und Ausland verweisen. Seit 1986 arbeitet die Künstlerin mit Musikern zusammen, entwickelt Gesamtchoreografien von Raum, Musik und bildnerischen Mitteln.


"Was vom König übrig blieb" lautet der geheimnisvolle Titel, unter dem Susanne Hampe ihre Malereien auf Papier und Leinwand in der Galerie vorstellt. Geheimnisvoll und poetisch auch die anderen Titel ihrer Bilder von "Nacht in der Wüste", "Vielleicht morgen" bis zu "Die Vasallen aus dem Norden". Beim Betrachten der Galerie wird der Blick des Betrachters von dem großformatigen Tryptichon "Königs-Blau" im Zentrum der Ausstellung eingefangen, bevor er abschweifen kann zu gedämpften Farben auf den Papierarbeiten, erdigen Ocker- und Grüntönen. Auf den Papieren arbeitet die Künstlerin mit einem Gemisch aus Wachs und Ölfarben. Abenteuerliche Strukturen, Geflechte von schwarzen Linien lassen Assoziationen zu Höhlenmalereien aufkommen. Mitunter tragen Farben Kämpfe miteinander aus, Schicht um Schicht, bis sie sich durchdringen, durchlichtet aufreißen oder gar verschweben. Pinselspuren, Auswischungen, Rinnsale sind sichtbar und offenbaren einzähes Ringen um eine formale Entsprechung von Vorstellungen.


Susanne Hampe wurde 1967 in Dresden geboren. Sie studierte im Fachbereich Bühnenbild nach ihrem Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Angeregt durch den konstruktivistischen Maler Günther Hornig, begann sie zu malen. Er ermutigte sie zu experimentellen maltechnischen Umsetzungen. 1992 wechselte sie an die Hochschule Berlin Weißensee, erhielt 1995 ihr Diplom als Bühnen- und Kostümbildnerin und arbeitete kurzzeitig am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin. Seit 1994 ist sie freiberufliche Malerin. Im Anschluss an einen Arbeits- und Studienaufenthalt in den USA erhielt sie 1998/99 den Kunstpreis "Jurors Choice Award" (San Diego).


Die Arbeiten von Marlen Liebau und Susanne Hampe sind bis zum 11 Mai bzw. bis zum 22. Juli 2001 in Kaditzsch zu erleben.